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Torba, die Kurden von Kurdistan


Éditeur : SOV Date & Lieu : 2000, Lyss - Suisse
Préface : Pages : 22
Traduction : ISBN :
Langue : AllemandFormat : 210x295mm
Code FIKP : Liv. De.Thème : Général

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Torba, die Kurden von Kurdistan

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Torba, die Kurden von Kurdistan

Jacques Gans

SOV


Sechstausend müssten es mit Bestimmtheit sein, schätzte Edi, wie immer schnell und entschieden. Viertausend,  schlug der besonnene Giacomo vor. Und Urs wählte, wie stets in solchen Situationen, diplomatisch den exakten Mittelwert: Fünftausend. Ich fragte nach dem ungefähren Wert der Veranstaltung, und während die drei Herren schwer ins Rechnen kamen, sich nicht einig waren, ob sie nun den Einstandspreis oder den Verkaufswert nennen sollten und ob ein eventueller Mengenrabatt zu berücksichtigen wäre, erkletterte ich, einem plötzlichen Impuls folgend, den nächststehenden Berg.
Schon der Akt des Erklimmens war von ganz besonderer Qualität. Ich zog die Schuhe aus, hielt mich an den Teppichkanten fest, hangelte mich hoch, schwang mich auf das oberste Exemplar und liess mich im Schneidersitz darauf nieder.

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EDITORIAL

Sind Orientteppiche noch gefragt?

Viele unserer Zeitgenossen geniessen eine beneidenswerte materielle Situation. Sie reisen im Urlaub nach Barbados oder den Seychellen und fahren einen schnittigen Jaguar oder Ferrari. Sie bewohnen eine ultramoderne Wohnung mit kahlen Mauern und nackten Böden und besitzen mehrere Design-Möbelstücke. Ein schönes und teures Gemälde eines bekannten Meisters, gepaart mit einer modernen oder antiken Skulptur, bringt eine persönliche Note. Ihr wichtigstes Prinzip: Die Räume nicht überladen.

Der Orientteppich, so schön er wäre, hat keinen Platz mehr in diesem freigelegten und beinahe klösterlichen Inneren. Dies ist sehr schade. Der Orientteppich ist dem volkstümlichen und dem traditionellen Kunsthandwerk gleichzusetzen. Ein altes Stück in gutem Zustand ist so schön und selten wie ein altes Gemälde. Der dekorative Wert ist gleichbedeutend, und Fälschungen sind eher selten, was bei Gemälden nicht behauptet werden kann.

Die Kunst des Orientteppichs hat durch die Jahrhunderte Höhen und Tiefen kennen gelernt. Unter dem Impuls von englischen und amerikanischen Firmen, die in Persien ansässig waren, entwickelte sich die Produktion von 1885 bis 1930 stetig. Dank iranischen Kaufleuten ist dieser Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg bis gegen 1985 weitergegangen.

Hoffen wir, dass die gegenwärtige junge Generation wohnlichere Innenräume suchen und den Geschmack für diese wunderbare Kunst wieder finden werde, die ihre Vorgänger so fasziniert hat.

Jacques Gans



Gipfelrast auf einem Teppichberg

Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Ich stand in einer riesigen Halle. Spärliches Licht fiel durch ein paar schmale Fenster im Giebel. Ich war umgeben von Bergen. Von Bergen von Teppichen. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich so viele Teppiche gesehen.

Sechstausend müssten es mit Bestimmtheit sein, schätzte Edi, wie immer schnell und entschieden. Viertausend,  schlug der besonnene Giacomo vor. Und Urs wählte, wie stets in solchen Situationen, diplomatisch den exakten Mittelwert: Fünftausend. Ich fragte nach dem ungefähren Wert der Veranstaltung, und während die drei Herren schwer ins Rechnen kamen, sich nicht einig waren, ob sie nun den Einstandspreis oder den Verkaufswert nennen sollten und ob ein eventueller Mengenrabatt zu berücksichtigen wäre, erkletterte ich, einem plötzlichen Impuls folgend, den nächststehenden Berg.

Schon der Akt des Erklimmens war von ganz besonderer Qualität. Ich zog die Schuhe aus, hielt mich an den Teppichkanten fest, hangelte mich hoch, schwang mich auf das oberste Exemplar und liess mich im Schneidersitz darauf nieder.

Ich habe schon auf einigen Berggipfeln der engeren Heimat gesessen, aber noch nie so weich und wohlig: Der dichte Wollflor war mir wie ein alpiner Blumenteppich – und wie dieser leuchtete er in den schönsten Farben. Mit der flachen Hand strich ich über diese Wollwiese. Ich glaubte in dieser Berührung etwas zu spüren von der archaischen Herkunft dieser bäuerlichen Produkte aus der Gegend von Shiraz im Iran, von weidenden Schafen, spinnenden Nomadenmädchen und ihren knüpfenden Müttern vom Stamme der Gaschgais, und von ...




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