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Hommages et Opera Minora Monumentum H.S. Nyberg - II


Auteur : Cemal Nebez
Éditeur : E.J. Brill Date & Lieu : 1975, Leiden
Préface : Pages : 28
Traduction : ISBN :
Langue : AllemandFormat : 140x210 mm
Code FIKP : Br. Gen. 20Thème : Général

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Hommages et Opera Minora Monumentum H.S. Nyberg - II

Hommages et Opera Minora Monumentum H.S. Nyberg - II

Jemal Nebez

E.J. Brill


Die Problematik der kurdischen Schriftsprache- und, damit verbunden, die Entwicklung einer einheitlichen Literatursprache für alle Kurden- gehört zu den Themen, die weder seitens der Kurden selbst, noch seitens der nicht-kurdischen Kurdologen die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erlangt haben. Das Ziel dieses Aufsatzes ist es, das vernachlässigte Thema der kurdischen Schriftsprache historisch-systematisch aufzurollen und die wenigen bisherigen Schritte auf diesem Gebiet kritisch zu beschreiben.

Eine einheitliche, von allen Kurden anerkannte und benutzte kurdische Schriftsprache existiert bis jetzt nicht. Dieser Mangel läßt sich soziohistorisch erklären. Den Kurden ist es nicht möglich gewesen, in den letzten 15 Jahrhunderten einen einheitlichen Staat zu gründen, der in der Lage gewesen wäre, einen der vorhandenen Dialekte bzw. eine Mundart offiziell zu adoptieren und zur verbindlichen Staatssprache zu ...



DIE SCHRIFTSPRACHE DER KURDEN

Jemal Nebez


Die Problematik der kurdischen Schriftsprache- und, damit verbunden, die Entwicklung einer einheitlichen Literatursprache für alle Kurden- gehört zu den Themen, die weder seitens der Kurden selbst, noch seitens der nicht-kurdischen Kurdologen die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erlangt haben. Das Ziel dieses Aufsatzes ist es, das vernachlässigte Thema der kurdischen Schriftsprache historisch-systematisch aufzurollen und die wenigen bisherigen Schritte auf diesem Gebiet kritisch zu beschreiben.

Eine einheitliche, von allen Kurden anerkannte und benutzte kurdische Schriftsprache existiert bis jetzt nicht. Dieser Mangel läßt sich soziohistorisch erklären. Den Kurden ist es nicht möglich gewesen, in den letzten 15 Jahrhunderten einen einheitlichen Staat zu gründen, der in der Lage gewesen wäre, einen der vorhandenen Dialekte bzw. eine Mundart offiziell zu adoptieren und zur verbindlichen Staatssprache zu erklären. Erschwerend kam hinzu, daß es auch nie eine einheitliche kurdische Religion gegeben hat. Wenn es sie gegeben hätte, dann hätte sehr wohl einer der kurdischen Dialekte bzw. eine Mundart zur schriftliche Fixierung ihrer Lehre und ihrer heiligen Bücher über die Jahrhunderte verwendet werden können und hätte aufgrund der Allgegenwärtigkeit sehr wohl eine Grundlage für eine allgemein verbindliche kurdische Schriftsprache abgeben können. So entwickelte sich z.B. die arabische Schriftsprache, nämlich aus dem QuraiS-Dialekt, in dem der Koran ursprünglich offenbart wurde. Auch die deutsche Hochsprache entwickelte sich aus der sächsichen Kanzleisprache, nachdem Martin Luther (1483-1546) die Bibel in eben diesen Dialekt übersetzt hatte. Die Religion der Yazīdī*. die zwar die einzige Religion ist, deren heilige Schriften und Litaneien in kurdischer Sprache abgefaßt worden sind, konnte diese übergreifende Rolle ebenfalls nicht spielen, da sie keine allgemein-kurdische und schon gar keine Weltreligion ist. So können der Yazidi-Religion nur diejenigen angehören, die als Yazīdī geboren worden sind. Die in Kurdistan verbreiteten (spezifisch kurdischen) pseudomuslimischen Sekten wie z.B. Ahl-ī Haqq1 (= Leute der Wahrheit od. Leute Gottes) bzw. Käkayi2, Sabak3 ...etc. oder verschiedene Derwischorden wie Naqßbandl, Qädfri, Nürsi konnten diese sprachvereinigende Funktion erst recht nicht erfüllen : Weder sind ihre Lehren auf Kurdisch geschrieben, noch sind sie über eine Minderheitenbedeutung hinaus unter den Kurden verbreitet.

Ein weiterer historischer Grund liegt in der Tatsache, daß fast alle kurdisch-muslimischen Gelehrten der Vergangenheit im Gegensatz zu ihren persischen und türkischen Kollegen ihre kurdische Muttersprache total vernachlässigt und nur in der arabischen Sprache bzw. in den Sprachen anderer Nachbarvölker gelehrt und geschrieben haben4.

Schließlich hat das Bauernvolk der Kurden auch keine Stadt oder Provinz als Haupthandelszentrum Tür alle Kurden gehabt, so daß es aus diesem wirtschaftlichen Grund heraus von Interesse gewesen wäre, den dortigen Dialekt oder die Mundart jenes Ortes als Schriftsprache anzunehmen.

Es ist nicht genau bekannt, wann man die kurdische Sprache (bzw. welchen Dialekt/Mundart davon) zum ersten Mal niedergeschrieben hat. Obwohl die Kurden mindestens unter dem Namen »Kurd« seit dem 6. Jahrhundert durch das in mittelpersischer Sprache verfasste Buch »Kāmāmak-ī Artaxsir-i Päpakän« (= Tatenbuch des Artaxslr von Päpakän) 5 bekannt sind, datieren die ältesten zuverlässigen Dokumente auf Kurdisch erst aus dem 16. Jahrhundert. An der literarischen Spitze dieser Dokumente stehen mystische Epik und Liebesdichtungen von Malē6 Ğīzīrī (lebte in der zweiten Hälfte des 16. Jhd.), die im Nordkurmângï- Dialekt7 niedergeschrieben worden ...

*Vgl. Nebez. Jemal: Jeziden. In: Lexikon der islamischen Welt. Stuttgart. Kohlhammer Verlag. 1974.

1 Vgl. Minorsky, V.: Ahl-i Hakk. In: Handwörterbuch des Islam. Leiden: 1941, S. 19-23.

2 »Käkayi« isl eine Bezeichnung für die »Ahl-i Haqq« im irakischen Kurdistan.

3 Eine im irakischen Kurdistan wohnende und etwa 70.000-100.000 Mitglieder zählende Religionsgemeinschaft, die von manchen Autoren als »QizilbäS von Kurdistan« betrachtet werden (vgl. Edmonds. C.J.: Kurds. Turks and Arabs. London: 1957. p. 195.

4 Sämi. Sems-ettin: Qämüs ül-E'läm ( = Eigennamenverzeichnis), auf Türkisch-Osmanisch. Istanbul: 1314 h. 5 Bd. S. 3842.

5 Vgl. »The Kärnamak i Arlakhshir î Pâpakân«. Hrsg. Darab Daslur Peshotan Sanja'na. Bombay: 1896. S. 25 (der Pahlawi-Text). S. 22 (die englische Übersetzung).

6 »Male (od.) Mala« sind kurdische Bezeichnungen fur einen muslimischen Theologen (Vgl. arab. »maulän'mil der Bedeutung »Herr«).

7 Ich benutze hier das Wort »Kurmänfi« als Synonym für »kurdische Sprache«.




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